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Das Flügel-Prinzip: Warum Chicken-Konzepte das smarteste Geschäftsmodell der Gastronomie sind

Veröffentlicht am: 16.01.2026

Während Burger-Ketten um jeden Prozentpunkt Marge kämpfen und Pizza-Konzepte in gesättigten Märkten stagnieren, erobert eine Proteinkategorie still und effektiv die Systemgastronomie: Hähnchen. Doch hinter dem vermeintlich simplen Produkt steckt ein betriebswirtschaftliches Meisterwerk, das du als Gastronom verstehen solltest – selbst wenn du kein Chicken-Restaurant planst. Denn die Prinzipien dahinter lassen sich auf jedes Konzept übertragen.

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Hinweis zur Einordnung

Die folgenden Analysen basieren auf betriebswirtschaftlichen Grundprinzipien und Marktbeobachtungen. Konkrete Zahlen variieren je nach Standort, Konzept und Einkaufskonditionen erheblich. Nutze die Frameworks als Denkmodell, nicht als Kalkulationsgrundlage.

Das Flügel-Prinzip: Ein Framework für profitable Konzepte

Warum funktionieren Chicken-Konzepte so gut? Die Antwort liegt nicht im Produkt selbst, sondern in vier strukturellen Vorteilen, die ich das Flügel-Prinzip nenne:

1. Flexibilität (F)

Kein anderes Protein lässt sich so vielseitig inszenieren wie Hähnchen. Wings, Nuggets, Strips, Burger, Bowls, Wraps, Salate – aus einem einzigen Rohstoff entstehen dutzende Gerichte. Das bedeutet:

  • Geringere Lagerkomplexität: Weniger SKUs im Einkauf

  • Höhere Kreativität bei niedrigerem Risiko: Neue Produkte ohne neue Lieferketten

  • Saisonale Anpassung: Sommer = Salate, Winter = Comfort Food

2. Ü – Überschaubare Produktionskosten

Hähnchen ist im Vergleich zu Rind oder Lamm signifikant günstiger in der Beschaffung. Entscheidender ist jedoch die Verarbeitungseffizienz:

  • Kurze Garzeiten reduzieren Energiekosten

  • Standardisierte Cuts ermöglichen konsistente Portionsgrößen

  • Geringerer Skill-Bedarf in der Küche senkt Personalkosten

3. G – Globale Akzeptanz

Hähnchen hat keine religiösen oder kulturellen Barrieren wie Schwein oder Rind. In einer diverser werdenden Gesellschaft ist das ein strategischer Vorteil:

  • Halal-Zertifizierung ist vergleichsweise einfach

  • Keine kulturellen Tabus in relevanten Zielgruppen

  • Internationaler Geschmack (Teriyaki, Nashville Hot, Peri-Peri) ohne Authentizitätsdebatte

4. E – Ernährungsnarrative

Hähnchen profitiert von zwei gegenläufigen Trends gleichzeitig:

  • Protein-Hype: Fitness-Kultur treibt Nachfrage nach magerem Eiweiß

  • Comfort-Food-Revival: Fried Chicken als Guilty Pleasure

Das Produkt bedient beide Pole, ohne sich positionieren zu müssen.

Die Kalkulations-Logik: Warum die Marge stimmt

Die Profitabilität von Chicken-Konzepten basiert auf einer simplen, aber mächtigen Formel:

Deckungsbeitrag = (Verkaufspreis – Wareneinsatz – variable Produktionskosten) × Verkaufsmenge

Bei Hähnchen-Konzepten sind alle drei Faktoren strukturell vorteilhaft:

Wareneinsatz: Das Teilstück-Paradox

Ein ganzes Hähnchen hat unterschiedlich wertvolle Teile:

  • Brust: Premium-Preis (Salate, Burger)

  • Schenkel: Mittlerer Preis (Main Courses)

  • Flügel: Snack-Preis, aber hohe Marge pro Gramm

  • Karkasse: Fond-Produktion oder Verwertung

Die Kunst liegt in der Vollverwertung: Wer alle Teile clever einsetzt, senkt den effektiven Wareneinsatz pro verkaufter Portion erheblich. Ein Restaurant, das nur Brustfilet verwendet, verschenkt Marge.

Variable Produktionskosten: Der Fritteuse-Effekt

Frittierprozesse sind:

  • Skalierbar: Eine Fritteuse produziert X Portionen unabhängig von der Auslastung

  • Schnell: Durchlaufzeiten von wenigen Minuten

  • Konsistent: Geringes Fehlerpotenzial bei geschultem Personal

Im Vergleich zu einem Medium-Rare-Steak, das Timing und Erfahrung erfordert, ist die Fehlerquote bei Fried Chicken minimal.

Verkaufsmenge: Der Snacking-Multiplikator

Chicken-Produkte eignen sich hervorragend für:

  • Add-Ons: Wings als Vorspeise zum Burger

  • Sharing: Buckets für Gruppen

  • Delivery: Hohe Transportstabilität

Das Ergebnis: Höhere Warenkörbe pro Besuch und bessere Delivery-Performance als fragile Produkte.

Der strategische Blickwinkel: Was du von Chicken-Konzepten lernen kannst

Selbst wenn du ein italienisches Restaurant führst, sind die Prinzipien übertragbar:

Prinzip 1: Produktfokus schlägt Sortimentsbreite

Erfolgreiche Chicken-Konzepte beweisen, dass Spezialisierung kein Nachteil ist. Die Frage ist nicht wie viele Gerichte du anbietest, sondern wie tief du ein Produkt durchdeklinierst.

Denkanstoß für dein Konzept:

  • Welches Produkt könnte dein "Hähnchen" sein?

  • Wie viele Varianten kannst du daraus entwickeln?

  • Reduzierst du damit Komplexität in Einkauf und Produktion?

Prinzip 2: Ernährungsnarrative aktiv bespielen

Chicken-Konzepte kommunizieren gleichzeitig "Protein" und "Genuss". Sie zwingen den Gast nicht in eine Schublade.

Denkanstoß für dein Konzept:

  • Welche Ernährungstrends bedienst du bereits unbewusst?

  • Wie kannst du sie in deiner Kommunikation sichtbar machen?

  • Sprichst du verschiedene Gast-Mindsets an (Genuss vs. Gesundheit)?

Prinzip 3: Delivery-Fähigkeit als Designkriterium

Chicken-Produkte werden von Anfang an für den Transport konzipiert. Die Qualität nach 20 Minuten Lieferweg ist Teil des Produktdesigns.

Denkanstoß für dein Konzept:

  • Welche Gerichte "überleben" die Lieferung?

  • Kannst du Produkte so anpassen, dass sie delivery-tauglich werden?

  • Ist dein Packaging auf Temperaturerhalt ausgelegt?

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Taktik: Der Chicken-Strategie-Audit für dein Konzept

Nutze diese Checkliste, um die Prinzipien erfolgreicher Chicken-Konzepte auf dein Restaurant zu übertragen:

Checkliste 1: Produktflexibilität

  • [ ] Identifiziere dein "Hero-Produkt" (ein Rohstoff, viele Gerichte)

  • [ ] Liste alle möglichen Zubereitungsarten auf (gegrillt, gebraten, roh, mariniert)

  • [ ] Prüfe: Nutzt du alle Teile/Varianten oder nur die offensichtlichen?

  • [ ] Entwickle mindestens 3 Gerichte aus einem Hauptprodukt

Checkliste 2: Kostenstruktur-Check

  • [ ] Berechne den Wareneinsatz pro Gericht (nicht nur pro Einkauf)

  • [ ] Analysiere: Welche Gerichte haben die kürzeste Zubereitungszeit?

  • [ ] Identifiziere Gerichte mit hoher Fehlerquote in der Produktion

  • [ ] Prüfe: Kannst du Prozesse standardisieren, ohne Qualität zu verlieren?

Checkliste 3: Narrative & Positionierung

  • [ ] Definiere 2 Ernährungsnarrative, die dein Konzept bedient

  • [ ] Prüfe: Spricht deine Speisekarte beide Zielgruppen an?

  • [ ] Überarbeite Produktbeschreibungen (Protein-Angaben, Zubereitungsart)

  • [ ] Teste: Verstehen Gäste in 5 Sekunden, wofür du stehst?

Checkliste 4: Delivery-Readiness

  • [ ] Bestelle dein eigenes Essen über Lieferdienste

  • [ ] Dokumentiere Zustand nach 15, 30, 45 Minuten

  • [ ] Identifiziere Schwachstellen (Soßen, knusprige Elemente)

  • [ ] Entwickle delivery-optimierte Produktvarianten

Die Marktdynamik: Warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist

Der Chicken-Markt befindet sich in einer interessanten Phase:

Etablierte Player expandieren aggressiv

Große Ketten investieren in neue Formate, Flagship-Stores und geografische Expansion. Das signalisiert Vertrauen in die Kategorie.

Neue Konzepte differenzieren über Herkunft und Haltung

Tierwohl wird zum Differenzierungsmerkmal. Konzepte, die transparente Lieferketten kommunizieren, sprechen eine wachsende Zielgruppe an.

Cross-Category-Expansion

Pizza-Ketten launchen Chicken-Marken, Burger-Restaurants erweitern ihr Sortiment. Die Grenzen zwischen Kategorien verschwimmen.

Für dich als Gastronom bedeutet das:

  • Chicken als Sortimentserweiterung prüfen

  • Lieferanten mit Tierwohl-Zertifizierung identifizieren

  • Delivery-Kanäle für proteinreiche Produkte optimieren

Der Mindset-Shift: Vom Produkt zum System

Die wichtigste Lektion der Chicken-Konzepte ist keine kulinarische, sondern eine betriebswirtschaftliche:

Erfolgreiche Konzepte denken nicht in Gerichten, sondern in Systemen.

Ein System umfasst:

  • Einkauf: Minimale SKUs, maximale Verwertung

  • Produktion: Standardisierte Prozesse, geringe Fehlerquote

  • Verkauf: Flexible Portionsgrößen, Add-On-Logik

  • Marketing: Klare Narrative, breite Anschlussfähigkeit

Wenn du dein Restaurant durch diese Linse betrachtest, findest du Optimierungspotenziale, die nichts mit Hähnchen zu tun haben – aber alles mit Effizienz.

Fazit: Das Hähnchen als Lehrstück

Chicken-Konzepte sind nicht deshalb erfolgreich, weil Hähnchen gut schmeckt. Sie sind erfolgreich, weil sie betriebswirtschaftliche Prinzipien konsequent umsetzen:

  • Fokus statt Beliebigkeit

  • Vollverwertung statt Verschwendung

  • Standardisierung statt Abhängigkeit von Einzelkönnen

  • Narrative Breite statt Nischen-Positionierung

Die Frage ist nicht, ob du ein Chicken-Restaurant eröffnen solltest. Die Frage ist: Welche dieser Prinzipien fehlen in deinem aktuellen Konzept?

Das Flügel-Prinzip (Flexibilität, Überschaubare Kosten, Globale Akzeptanz, Ernährungsnarrative) ist ein Denkmodell, das auf jede Küche anwendbar ist. Nutze es als Audit-Tool für deine nächste Strategiesitzung.