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Zentralküchen: Eigen- vs. Fremdproduktion strategisch nutzen

Veröffentlicht am: 29.03.2026

Ob Hotelkette, Cateringunternehmen oder wachsende Restaurantgruppe — irgendwann steht jeder Gastronomiebetrieb vor der Frage: Produzieren wir alles selbst in einer Zentralküche, kaufen wir bestimmte Komponenten zu, oder finden wir einen cleveren Mix aus beidem? Die Antwort ist selten schwarz-weiß. Eigenproduktion gibt Dir maximale Kontrolle über Qualität, Rezepturen und Lieferketten. Fremdproduktion entlastet Dein Team, reduziert Investitionsrisiken und kann bei bestimmten Produktgruppen schlicht wirtschaftlicher sein. Entscheidend ist eine strategische Herangehensweise: Welche Gerichte definieren Deine Marke? Wo liegt Dein kulinarischer Kern, den Du niemals aus der Hand geben solltest? Und wo verbrennst Du Ressourcen für Aufgaben, die ein spezialisierter Zulieferer besser und günstiger erledigt?

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Warum die Make-or-Buy-Frage in der Gastronomie so komplex ist

In der Industrie ist die Entscheidung zwischen Eigenfertigung und Fremdbezug ein etablierter Prozess mit klaren Kennzahlen. In der Gastronomie ist die Sache komplizierter: Hier geht es nicht nur um Stückkosten und Durchlaufzeiten, sondern auch um Handwerkskunst, Gästeerlebnis und die Identität Deines Betriebs. Ein Signature Dish, das Du seit Jahren perfektioniert hast, kannst Du nicht einfach an einen Convenience-Hersteller abgeben, ohne Deine Marke zu verwässern. Gleichzeitig ist es betriebswirtschaftlicher Unsinn, Grundkomponenten wie Fonds, Basisteige oder Standarddressings in einer hochpreisigen Innenstadtküche von teuren Fachkräften herstellen zu lassen, wenn spezialisierte Zulieferer das in gleichwertiger Qualität liefern können.

Die strategische Einordnung: Dein kulinarischer Kern

Bevor Du Kalkulationen anstellst, brauchst Du Klarheit über eine grundlegende Frage: Was macht Deinen Betrieb aus?

Kategorie A — Identitätsstiftende Produkte: Das sind Gerichte und Komponenten, die Dein Alleinstellungsmerkmal ausmachen. Deine hausgemachte Pasta, Dein spezielles Brot, Deine Signature-Sauce. Diese Produkte definieren, warum Gäste zu Dir kommen. Hier gilt: Eigenproduktion ist Pflicht.

Kategorie B — Qualitätsrelevante Standardprodukte: Fonds, Grundsaucen, mariniertes Fleisch, vorbereitete Gemüseschnitte. Diese Produkte sind wichtig für die Gesamtqualität, aber nicht einzigartig. Hier lohnt sich eine ehrliche Prüfung: Kann ein Zulieferer das in vergleichbarer Qualität liefern?

Kategorie C — Basiskomponenten ohne Differenzierung: Brot für den Brotkorb (sofern Brot nicht Dein USP ist), Standarddesserts, Frühstücksconfitüren, Portionsbutter. Hier ist Fremdproduktion fast immer sinnvoller.

Kostenanalyse: Die wahren Kosten der Eigenproduktion

Viele Gastronomen unterschätzen die Vollkosten der Eigenproduktion systematisch. Der Wareneinsatz ist nur die Spitze des Eisbergs. Eine ehrliche Kalkulation muss folgende Faktoren einbeziehen:

  • Personalkosten inkl. Lohnnebenkosten, Urlaubs- und Krankheitsvertretung

  • Raumkosten (Miete, Nebenkosten, Reinigung der Produktionsfläche)

  • Gerätekosten (Abschreibung, Wartung, Reparatur, Energieverbrauch)

  • Lagerhaltung (Kühlkapazität, Verpackungsmaterial, Schwund)

  • Qualitätssicherung (HACCP-Dokumentation, Schulungen, Laborproben)

  • Management-Overhead (Produktionsplanung, Einkauf, Logistik)

Rechenbeispiel (hypothetisch)

Angenommen, ein Hotelbetrieb mit 200 Zimmern produziert täglich 150 Liter Grundfond in der eigenen Zentralküche. Die reinen Warenkosten liegen bei ca. 1,20 € pro Liter. Rechnet man Personal (anteilig ein Koch für 4 Stunden), Energie, Abschreibung des Kippkochkessels und Lagerhaltung hinzu, können die Gesamtkosten schnell auf 3,50–4,50 € pro Liter steigen. Ein spezialisierter Zulieferer bietet vergleichbare Qualität möglicherweise für 2,80–3,20 € pro Liter frei Haus.

Allerdings: Dieses Rechenbeispiel ist nur dann aussagekräftig, wenn der freigesetzte Koch auch tatsächlich anderweitig produktiv eingesetzt werden kann.

Hybridmodelle: Der pragmatische Weg

Die meisten erfolgreichen Betriebe fahren keine Extremstrategie, sondern einen durchdachten Mix:

  • Kern selbst, Basis zukaufen: Signature-Komponenten werden intern produziert, Standardprodukte zugekauft.

  • Cook-and-Chill-Zentralküche mit externem Finishing: Die Zentralküche produziert Sous-vide-Komponenten und gekühlte Halbfertigprodukte, Satellitenküchen finalisieren.

  • Saisonaler Mix: In der Hochsaison wird zugekauft, in der Nebensaison intern produziert — so bleibt das Team ausgelastet.

Personalimplikationen ehrlich betrachten

Der Fachkräftemangel in der Gastronomie ist strukturell. Eigenproduktion in einer Zentralküche erfordert qualifiziertes Personal — Köche, die Prozesse verstehen, HACCP beherrschen und zuverlässig arbeiten. Fremdproduktion kann hier gezielt entlasten. Wenn Du Basiskomponenten zukaufst, kannst Du Dein knappes Fachpersonal auf die anspruchsvollen, kreativen Aufgaben konzentrieren — und machst die Arbeitsplätze damit attraktiver.

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Mehrere Standbeine: So diversifizieren kluge Gastronomen

Ein Restaurant allein ist verwundbar. Eine schwache Woche, ein kurzfristig abgesagtes Event, ein verregneter Sommer auf der Terrasse – und die Kalkulation gerät unter Druck. Wer dagegen mehrere Erlösquellen strategisch kombiniert und sauber steuert, kann Schwankungen abfedern, Ressourcen besser auslasten und Entscheidungsfreiheit gewinnen. Das klingt nach Konzern-Strategie? Im Kern ja – aber die Prinzipien lassen sich auch auf kleinere Gruppen aus zwei oder drei Einheiten übertragen. Dieser Deep-Dive zeigt Dir, wie Diversifikation in der Gastronomie als Framework funktioniert, welche Hebel typischerweise wirken – und welche Risiken Du realistisch einpreisen solltest.

Deine Entscheidungsmatrix: Make or Buy in 6 Schritten

  • [ ] Kategorisierung durchführen: Ordne alle Produkte den Kategorien A (Identität), B (Qualitätsstandard) und C (Basis) zu.

  • [ ] Vollkostenrechnung erstellen: Kalkuliere für mindestens drei Produkte jeder Kategorie die echten Vollkosten — inklusive aller Gemeinkosten.

  • [ ] Marktrecherche durchführen: Hole für dieselben Produkte Angebote von mindestens zwei Zulieferern ein.

  • [ ] Qualitätsvergleich organisieren: Führe Blindverkostungen durch — intern produzierte Produkte gegen zugekaufte Alternativen.

  • [ ] Personalplanung gegenrechnen: Prüfe, ob freigesetztes Personal tatsächlich anderweitig eingesetzt werden kann.

  • [ ] Risikobewertung vornehmen: Was passiert, wenn ein Zulieferer ausfällt? Hast Du Alternativlieferanten?

Checkliste: Lieferantenauswahl

  • [ ] Produktspezifikationen schriftlich definieren (Geschmack, Textur, Haltbarkeit, Allergene)

  • [ ] Herkunft der Rohstoffe und Produktionsbedingungen klären

  • [ ] Zertifizierungen prüfen (IFS, BRC, Bio)

  • [ ] Notfallplan für Lieferausfälle erstellen

  • [ ] Regelmäßige Qualitätsaudits vereinbaren (mindestens halbjährlich)

  • [ ] Preisanpassungsklauseln vertraglich fixieren

  • [ ] Mindestens einen Alternativlieferanten je Produktgruppe identifizieren

  • [ ] Wareneingangskontrollen standardisieren und dokumentieren

Checkliste: Zentralküche optimieren

  • [ ] Produktionsplanung digitalisieren

  • [ ] Standardrezepturen dokumentieren und regelmäßig überprüfen

  • [ ] Chargenrückverfolgung lückenlos sicherstellen

  • [ ] Energieverbrauch der Großgeräte messen und optimieren

  • [ ] Schichtmodelle an den tatsächlichen Produktionsbedarf anpassen

  • [ ] Mitarbeiter regelmäßig schulen

  • [ ] Schwund und Überproduktion messen und reduzieren

  • [ ] Investitionsplanung auf 3–5 Jahre erstellen

Fazit

Die Make-or-Buy-Entscheidung ist kein einmaliges Projekt, sondern ein laufender Prozess. Starte mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: Welche Produkte stellst Du heute selbst her, und warum? Dann nimm Dir ein Quartal Zeit, um für Deine Top-10-Eigenproduktionen die Vollkosten zu ermitteln und Zulieferer-Alternativen zu prüfen.

Andreas Berghammer

Andreas Berghammer

Gründer & Fullstack Developer

Hinter Chefplatz steht kein gesichtsloses Konzern-Team, sondern Andreas Berghammer. Als erfahrener Unternehmensberater und leidenschaftlicher Software-Entwickler verbindet er zwei Welten, die viel zu selten miteinander sprechen: Strategische Business-Expertise und tiefgreifendes technisches Verständnis. Er entwickelt skalierbare Webanwendungen, die darauf ausgelegt sind, echte Probleme zu lösen.