Das Brandschutz-Audit: Die 5-Punkte-Prüfung für Gastronomen
Veröffentlicht am: 08.02.2026
Ein Feuer in deinem Lokal – das ist der Albtraum schlechthin. Nicht nur wegen der unmittelbaren Gefahr für Menschenleben, sondern auch wegen der existenziellen Bedrohung für dein Unternehmen. Nach tragischen Vorfällen in der Gastronomie rückt das Thema Brandschutz immer wieder in den Fokus. Doch statt auf den nächsten Kontrolleur zu warten, solltest du die Initiative ergreifen. Dieser Guide gibt dir ein praktisches Framework, um deinen Betrieb selbstständig zu prüfen und potenzielle Schwachstellen zu identifizieren – bevor es zu spät ist.

Hinweis zur Einordnung
Wichtig: Dieser Artikel ersetzt keine professionelle Brandschutzbegehung durch zugelassene Sachverständige oder Behörden. Er dient als Orientierung für Gastronomen, um ein Bewusstsein für kritische Prüfpunkte zu entwickeln. Konkrete Prüffristen, Wartungsintervalle und technische Anforderungen unterscheiden sich je nach Land, Bundesland, Gebäudeart, Nutzungsart, Versicherungsvorgaben und den für dich geltenden Normen/Regelwerken. Konsultiere im Zweifel immer einen zertifizierten Brandschutzbeauftragten oder einen Fachbetrieb.
Warum Brandschutz mehr ist als Pflichterfüllung
Brandschutz wird in der Gastronomie oft als lästige Bürokratie wahrgenommen. Dabei übersehen viele Betreiber, dass es hier um drei ineinandergreifende Dimensionen geht:
1. Menschenleben schützen
Das ist der offensichtliche Grund. In einem vollen Restaurant oder einer Bar können sich Panik und Rauch innerhalb kurzer Zeit zur tödlichen Falle entwickeln. Jede gute Vorbereitung hilft.
2. Existenzsicherung
Ein Brand bedeutet nicht nur Sachschaden. Versicherungen prüfen genau, ob organisatorische und technische Anforderungen eingehalten wurden. Bei Pflichtverletzungen können Leistungskürzungen oder Streit über die Regulierung drohen. Dazu kommen potenzielle Schadensersatzforderungen und – je nach Lage – auch strafrechtliche Folgen.
3. Reputation
Ein Vorfall – selbst ein glimpflich verlaufener – kann deinen Ruf nachhaltig beschädigen. Im Zeitalter von Google-Bewertungen und Social Media verbreiten sich solche Nachrichten schnell.
Das 5-Punkte-Framework: Systematische Selbstprüfung
Um Brandschutz greifbar zu machen, nutze ich das FLARE-Prinzip – ein Akronym, das die fünf kritischsten Bereiche in der Gastronomie abdeckt:
Flucht – Können alle Menschen schnell raus?
Lösch – Sind Löschmittel vorhanden und funktionsfähig?
Alarm – Werden Brände früh erkannt und gemeldet?
Risiko – Wo entstehen Brände typischerweise?
Elektro – Ist die Elektrik sicher?
F – Flucht: Der Weg nach draußen
Die häufigste Todesursache bei Bränden ist oft nicht das Feuer selbst, sondern Rauchgasvergiftung in Kombination mit Orientierungslosigkeit. Deshalb ist der Fluchtweg das A und O.
Kritische Fragen:
Sind alle Notausgänge frei zugänglich – auch während des Betriebs?
Funktioniert die Notbeleuchtung bei Stromausfall? (Falls vorhanden/erforderlich)
Sind Fluchtwege klar beschildert und auch bei schlechter Sicht auffindbar?
Gibt es alternative Ausgänge, falls der Hauptausgang blockiert ist (sofern für dein Objekt relevant/erforderlich)?
Typische Fehler in der Praxis:
Viele Gastronomen nutzen Notausgänge als Lagerfläche oder stellen Ware davor. Im Alltag scheint das harmlos – im Ernstfall kann es entscheidende Sekunden kosten.
L – Lösch: Erste Hilfe gegen Flammen
Feuerlöscher können vorgeschrieben sein – aber ihre bloße Existenz reicht nicht.
Was du prüfen solltest:
Sind die Löscher für die richtigen Brandarten geeignet? (In Küchen können z. B. spezielle Mittel für Fettbrände erforderlich sein.)
Sind die Löscher nach den für dich geltenden Vorgaben geprüft/gewartet und entsprechend gekennzeichnet?
Weiß dein Personal, wo die Löscher hängen und wie man sie bedient?
Die Logik dahinter:
Ein Feuerlöscher ist vor allem in der frühen Phase eines Brandes wirksam. Das bedeutet: Schnelles Handeln ist entscheidend – und das erfordert Einweisung und Übung.
A – Alarm: Früherkennung rettet Leben
In gewerblichen Räumen gelten je nach Nutzung und Größe unterschiedliche Anforderungen an Brandmeldung und Detektion.
Prüfpunkte:
Sind Melder/Detektionssysteme dort vorhanden, wo sie für deinen Betrieb sinnvoll oder vorgeschrieben sind?
Werden sie gemäß Herstellerangaben und betrieblichen Vorgaben geprüft und die Prüfungen nachvollziehbar dokumentiert?
Sind in Bereichen mit Dampf/Hitze (z. B. Küche) passende Meldertypen vorgesehen, um Fehlalarme zu reduzieren (sofern zulässig und fachlich geplant)?
R – Risiko: Gefahrenquellen identifizieren
Die Gastronomie hat spezifische Brandherde, die in anderen Branchen so nicht vorkommen:
Küche:
Fettablagerungen in Abzugshauben und Kanälen
Überhitzte Frittierfette
Defekte Gasanschlüsse oder unsachgemäße Nutzung
Gastraum:
Offenes Feuer (Kerzen) in Kombination mit Dekoration
Provisorische Stromversorgung für Dekoleuchten
Saisonale Deko aus leicht brennbaren Materialien
Lager:
Brennbare Materialien neben Wärmequellen
Unsachgemäße Lagerung von Reinigungsmitteln
Die Ketten-Logik:
Ein Brand entsteht, wenn drei Faktoren zusammenkommen: Brennbares Material, Sauerstoff und eine Zündquelle. Deine Aufgabe ist es, diese Kombination so unwahrscheinlich wie möglich zu machen.
E – Elektro: Der unterschätzte Risikofaktor
Elektrik ist in Gewerbeumgebungen ein häufiger Brandtreiber – vor allem bei Überlastung, Alterung, improvisierten Lösungen oder fehlender Instandhaltung.
Was du beachten solltest:
Wird die Elektroanlage in angemessenen, für deinen Betrieb geltenden Abständen von einem Fachbetrieb geprüft (z. B. im Rahmen der vorgeschriebenen Wiederholungsprüfungen)?
Gibt es sichtbar beschädigte Kabel oder Steckdosen?
Werden Verlängerungskabel als Dauerlösung genutzt (kritischer Klassiker – besser fachgerecht nachrüsten lassen)?
Ist der Sicherungskasten beschriftet, sodass im Notfall schnell abgeschaltet werden kann?

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Deine Brandschutz-Checkliste zum Sofort-Umsetzen
Hier ist ein kompaktes Audit, das du regelmäßig durchführen kannst (z. B. als wiederkehrende Routine im Betriebsalltag). Drucke es aus und gehe systematisch durch:
Flucht & Evakuierung
[ ] Alle Notausgänge sind frei und während der Öffnungszeiten im zulässigen Zustand nutzbar
[ ] Notbeleuchtung/Fluchtwegbeleuchtung (falls vorhanden/erforderlich) ist funktionsfähig
[ ] Fluchtwegbeschilderung ist sichtbar und nicht verdeckt
[ ] Türen in Fluchtrichtung lassen sich im Notfall ohne hinderliche Barrieren öffnen (gemäß objektbezogener Vorgabe)
Löscheinrichtungen
[ ] Feuerlöscher sind sichtbar und zugänglich
[ ] Kennzeichnung/Prüfstatus zeigt: Prüfung/Wartung ist aktuell gemäß Vorgaben (Betreiberpflicht/Versicherung/Hersteller)
[ ] Geeignete Löschmittel für den Küchenbereich sind vorhanden (Fettbrand-Szenarien berücksichtigen)
[ ] Löschdecke bzw. geeignete Erstmaßnahmen-Ausrüstung ist griffbereit (sofern vorgesehen)
Alarm & Detektion
[ ] Melder/Brandmeldeeinrichtungen zeigen keine Störungen an
[ ] Funktionsprüfungen erfolgen gemäß Herstellerangaben und betrieblicher Regelung und sind dokumentiert
[ ] Interne Notfallinformationen sind leicht auffindbar (z. B. Zuständigkeiten, Adresse des Betriebs, wichtige Kontakte)
Risikobereiche
[ ] Abluft/Filter/Hauben werden in einer festen Reinigungsroutine sauber gehalten (Fett ist Brandbeschleuniger)
[ ] Keine brennbaren Materialien in direkter Nähe von Wärmequellen
[ ] Kerzen/Flammen nur mit sicheren Haltern und Abstand zu Vorhängen/Deko
[ ] Müll/Container stehen so, dass das Risiko von Brandübergriff/Brandstiftung reduziert wird (objektabhängig)
Elektrik
[ ] Keine sichtbar beschädigten Kabel oder Steckdosen
[ ] Mehrfachsteckdosen werden nicht überlastet oder „verkettet“ betrieben
[ ] Sicherungskasten ist zugänglich und beschriftet
Das Team einbinden: Schulung als Gamechanger
Die beste Technik nützt wenig, wenn dein Personal im Ernstfall nicht weiß, was zu tun ist. Etabliere eine regelmäßige Brandschutzunterweisung – Umfang und Häufigkeit sollten zu deinem Betrieb, Personalwechsel und Risikoprofil passen.
Inhalte:
1. Wo sind Feuerlöscher und wie bedient man sie? (Idealerweise mit praktischer Einweisung, wenn möglich)
2. Wie lautet die Evakuierungsprozedur? (Wer macht was?)
3. Wo ist der Sammelplatz?
4. Wer ruft die Feuerwehr und mit welchen Informationen?
Dokumentation nicht vergessen:
Halte schriftlich fest, wann du welche Mitarbeiter unterwiesen hast. Im Schadensfall kann diese Dokumentation wichtig sein.
Nächste Schritte: Vom Audit zur Routine
Brandschutz ist kein Projekt, das man einmal abhakt, sondern ein fortlaufender Prozess. Hier dein Fahrplan – als Praxisbeispiel, das du an deine Vorgaben anpassen solltest:
Kurzfristig:
Gehe die Checkliste einmal komplett durch
Identifiziere die kritischsten Punkte (z. B. blockierte Fluchtwege, fehlende Einweisung, ungeklärte Zuständigkeiten)
Mittelfristig:
Behebe die identifizierten Mängel
Etabliere eine feste Routine für Unterweisung und Dokumentation
Bei nächster Gelegenheit:
Kläre mit Fachbetrieb/Sachverständigen, welche Prüfungen und Intervalle für dein Objekt tatsächlich gelten (Löschmittel, Elektro, Meldeanlagen, Lüftung/Abzug)
Lege einen Brandschutzordner an (digital oder analog) mit Nachweisen, Plänen, Zuständigkeiten
Regelmäßig:
Lass eine professionelle Begehung/Überprüfung durchführen, wenn sie vorgeschrieben ist oder dein Risiko es nahelegt
Prüfe, ob deine Versicherungspolicen und Auflagen noch zu Betrieb, Umbauten und Nutzung passen
Fazit: Proaktiv statt reaktiv
Brandschutz ist einer der Bereiche, in denen Prävention alles ist. Der Aufwand für regelmäßige Wartung, funktionierende Technik und geschultes Personal ist in der Regel deutlich geringer als die Konsequenzen eines Brandes – menschlich, rechtlich und wirtschaftlich.
Nutze das FLARE-Framework als dein mentales Modell: Flucht, Lösch, Alarm, Risiko, Elektro. Wenn du in diesen fünf Bereichen sauber aufgestellt bist, deckst du die wichtigsten Grundlagen ab.
Denn am Ende gilt: Den besten Brandschutz merkst du nie – weil nichts passiert.




